Träume sind Schäume – oder doch nicht?

Seit meiner Kindheit und Jugend leide ich unter Alpträumen. Zwischendurch verschwinden sie immer mal für Monate oder sogar Jahre, in Zeiten großer Anspannung kommen sie jedoch wieder. Dabei gibt es immer wieder wiederkehrende Bilder.

Ich irre durch dunkle, lange Gänge, Keller, Tiefgaragen…

Besonders fies und Schweiß treibend sind die Suchen.

Ich suche dringend eine Toilette mit abschließbarer Tür und Trennwand, finde aber nur frei stehende Toiletten, die in aller Öffentlichkeit auf „Besuch“ warten.

Ich suche mein Auto in dunklen Gewölben und Kellern.

Ich suche mein Büro und finde nur Fahrstühle die wirklich gefährlich aussehen. (Keine Wände, kein Boden…)

Der Klassiker ist das Auto im Keller.

Ich stehe vor meinem ersten Auto im Keller und frage mich, wie ich es die Kellertreppe runter gebracht habe und wie ich es wieder hoch bekomme…

Wirklich schrecklich sind aber die Träume von meinem Vater.

Die Tür geht auf und ER ist wieder da! Der ganze Käse geht von vorne los. Kein Hinweis auf Krankheit oder Tod… Wen – zum Henker – haben wir da eigentlich beerdigt?

Hört sich ziemlich lapidar an, nicht?!

Ist es jedoch für mich nicht. Nachts weckt mich mein Hund, weil ich schreie, wimmer oder weine.

Der Mops ist inzwischen zu meinem nächtlichen Schutzengel geworden. Er weckt mich aus meinen Träumen, in dem er sich an meine Wange kuschelt und mir das Gesicht leckt.

Besonders blöd ist: Ich träume nach dem wieder einschlafen an der selben Stelle weiter.

Durch diese Träume bin ich am nächsten Tag kein Mensch mehr. Konzentrationsstörungen, Tagesmüdigkeit, Gereiztheit sind die Folge.

Wenn man dem Arzt dann von den Träumen erzählt bekommt man richtig lustige Antworten.

  • Sie sollten Abends nichts schweres mehr essen.
  • Warum sollte ihr toter Vater denn wieder kommen? Das geht doch gar nicht!
  • Ja, da kann ich Ihnen nicht helfen, hier Tabletten.
  • Sie haben keine Alpträume, sie leiden an nächtlichen Atemaussetzern…

Ohne Worte…

Am Anfang war das Ende…

… das Ende der Freude an meinen Hobbies. Ich hörte auf zu lesen, zu fotografieren, zu bloggen/podcasten, zu musizieren, malen… etc.

Dinge, die ich immer mit Freude gemacht habe (z.B. Garten, Arbeit etc.) fielen mir auf einmal immer schwerer. Ich reagierte in der Folge genervt, war schnell müde, schaffte meine Arbeit nicht mehr.

Des Nachts quälten mich Alpträume so sehr, dass ich es vermied schlafen zu gehen. Es folgten Angst und Panik schließlich sozialer Rückzug.

Den Beginn kann ich ziemlich genau auf den Sommer 2013 legen.

Seither ist viel passiert.

Mein erster Weg führte mich 2015 zum Arzt, ein anderer in die Tagesklinik/Modellambulanz. Über ein Jahr habe ich nach einem Psychotherapieplatz gesucht.

Mit der Krankenkasse führte ich diverse Telefonate.

Schluss und endlich dachte ich, dass ich nun alles beisammen hätte. Endlich einen Therapieplatz und einen vernünftigen Arzt, der mich ernst nimmt…

Pustekuchen!

Ärzte, die einen ernst nehmen scheinen rar zu sein. Inzwischen bin ich außerhalb Berlins in Behandlung. Mal ganz abgesehen davon, dass ich  1,5 – 2 Stunden fahre (pro Strecke 45-60 Minuten ) um einen 5 Minütigen Termin wahrzunehmen, ist das auch nicht das Wahre.

Heute wurde mir geraten, ich soll mir Erbsen in die Hosentasche stecken. (Im Internet taucht es unter Bohnengeschichte auf.) Den Sinn begreife ich ja. Man soll sich an Kleinigkeiten freuen, auch wenn man denkt alles ist doof. Nichts anderes habe ich mit meiner Liste gemacht.

Täglich 2 Stunden spazieren gehen kann ich mit meinem Sportmops wohl abhaken.

Von der Gesprächsgruppe mit Gebet und Gesang halte ich mich aber schön fern. Ich habe kein gutes Verhältnis zu Gott und das wird sich auch nicht ändern.

Nun heißt es wieder von vorne zu beginnen, wenigstens ein Stück weit.

Wünscht mir Glück…

 

Die Liste

In den letzten Wochen hatte ich wieder mehr schlechte Tage als gute. Die Verzweiflung kann schon sehr groß sein. Der Gang zum Arbeitsamt fiel mir enorm schwer. Ich kann es nur schwer akzeptieren, dass ich so krank bin, dass die Krankenkasse die Zahlung eingestellt hat.

72 Wochen sind mal eben so verpufft…

An manchen Tagen habe ich schon arg gehadert und habe es kaum geschafft die Tage zu überstehen. Mehr als einmal habe ich in diesen Tagen an Selbstmord gedacht, aber ich hab mich wieder berappelt. Anhand einer Liste konnte ich mir veranschaulichen, was ich Schönes im Leben habe. Solange auch nur ein Punkt auf der Liste steht wird es irgendwie weiter gehen.

Kneifen gilt nicht.

Wenn man sich mal die ganzen Kleinigkeiten ansieht, die das Leben lebenswert machen, dann ist alles nicht mehr ganz so schlimm. Auch wenn es nur so popelige Dinge sind wie

Sonne im Gesicht und Wind in den Haaren

manchmal sind es eben die Kleinigkeiten.

Auf meiner Liste stehen ganz oben Familie und Freunde. Das ist auch gut so und es hilft mir unheimlich bei der Anstrengung am Leben zu bleiben.

Ich gebe nicht auf! Ich kämpfe!

Einen Schritt nach dem anderen, ein Tag nach dem anderen, hoffen, dass es irgendwann wieder besser wird.

Ich blogge, also bin ich!

Ja, ich blogge wieder und das ist auch gut so. Es ist ein Ventil. Hier kann ich das raus lassen, was mich beschäftigt und bedrückt.

Ja, liebe Kollegen, die hier mitlesen. Ich möchte mich nicht mehr verstecken. Auch und gerade weil ich krank bin tut es mir unendlich gut, zu bloggen.

Spaziergänge an der frischen Luft und eine aktive Zeitgestaltung sind vom Arzt und auch vom Therapeuten dringend empfohlen. Aus diesem Grund wird es hier auch wieder Bilder geben. Wem das nicht passt soll einfach meine Adresse weg werfen.

Das war’s für heute kurz und schmerzlos.

Eure Clabie

Die Seele im Gips

 

Wir leben in einem viel gepriesenen Sozialstaat. Man darf allerdings nicht psychisch erkranken. Wenn man sich denn erst einmal durch gerungen hat um einem Arzt sein Innerstes zu zeigen, wird man belächelt, runter gemacht, gedemütigt. Wenn man bei der Krankenkasse verzweifelt um Hilfe bettelt wird einem mitgeteilt, dass man gefälligst flexibler sein soll.

Man wird als Kranker ausgelacht, abgestempelt und nach Äußerlichkeiten beurteilt, ohne sich Gedanken über den Menschen zu machen, der da vor einem sitzt.

Ich habe über ein Jahr gebraucht, bis ich eine vernünftige Psychotherapeutin gefunden habe. Dabei hat mich niemand unterstützt. Nicht die Krankenkasse, nicht die Ärzte…

Es ist so schrecklich sich mit über 40 auf einmal total handlungsunfähig zu fühlen. Nicht körperlich, sondern seelisch. Auf einmal ist man in seiner Seele gefangen, kämpft gegen die Dämonen im Innern und muss auch noch außen für sein Recht kämpfen. Für sein Recht auf Therapie, auf vernünftige Behandlung, auf das Recht gesund zu werden.

Seelische Erkrankungen sind nun mal kein Beinbruch, den jeder sehen kann. Um seelische Erkrankungen zu sehen muss man sich die Mühe machen den Menschen kennen zu lernen. Leider nimmt sich kaum noch Jemand Zeit dafür. Der Seele kann man nun mal keinen Gips anlegen. Die Wunden der Seele tragen wir nicht offen mit uns herum und sie brauchen verdammt lange zum heilen und können dann jederzeit wieder aufbrechen. Da stehen wir nun wieder mit unseren offenen Wunden.

Fangen wir von vorne an oder machen wir dem ein Ende?

Jeder Tag bringt eine neue Entscheidung. Immer von Tag, zu Tag, zu Tag…