Frag doch einfach…

Wussten am Anfang nur engste Familienmitglieder und Freunde von meiner Erkrankung, wissen es inzwischen alle Menschen, die mir wichtig sind.

Natürlich gehe ich nicht mit meinen Befindlichkeiten hausieren, jedoch soll sich der ein oder andere schon mal gefragt haben, warum ich nicht arbeiten gehe, woher ich die Zeit für einen Hund nehme, warum ich so merkwürdige Sachen twittere, mich zurück ziehe usw.

Mit dem Wissen um meine Erkrankung hört es jedoch noch nicht auf. Die Reaktionen sind teils erschreckend (vor allem für mich), teils rührend, gleichgültig, nervend, geschockt.

Es gibt die Menschen, die die Erkrankung akzeptieren, die unterstützend zur Seite stehen, die jeden Erfolg, jeden Meilenstein feiern und bei jedem Rückschritt anfeuernd zur Seite stehen.

Es gibt die, die total erschüttert sind, die es beängstigend finden von Selbstmordgedanken zu hören oder zu lesen. Die Hilfe bei der Bewältigung der Erkrankung eines Freundes brauchen.

Natürlich gibts auch die, die die Erkrankung einfach vom Tisch wischen. Die jemandem mit Angst vor zu vielen Menschen vorschlagen doch mal wieder mit der U-Bahn zu fahren.

Es gibt die, die dich von oben herab ansehen. Denen „du faule Kuh“ praktisch auf die Stirn geschrieben steht.

Bei anderen bist du der Hamster im Labyrinth. Wie fühlt sich das an, wenn du total freudlos bist?

Allen kann ich aber nur eines ans Herz legen:

Frag mich, wenn du etwas wissen willst.

Es hilft mir über meine Erkrankung zu reden. Es hilft mir wieder ein Gefühl für mein Gefühl zu bekommen.

Ich verspreche, ich werde ehrlich sein. Ich verspreche aber nicht den Holzhammer zu Hause zu lassen.

Träume sind Schäume – oder doch nicht?

Seit meiner Kindheit und Jugend leide ich unter Alpträumen. Zwischendurch verschwinden sie immer mal für Monate oder sogar Jahre, in Zeiten großer Anspannung kommen sie jedoch wieder. Dabei gibt es immer wieder wiederkehrende Bilder.

Ich irre durch dunkle, lange Gänge, Keller, Tiefgaragen…

Besonders fies und Schweiß treibend sind die Suchen.

Ich suche dringend eine Toilette mit abschließbarer Tür und Trennwand, finde aber nur frei stehende Toiletten, die in aller Öffentlichkeit auf „Besuch“ warten.

Ich suche mein Auto in dunklen Gewölben und Kellern.

Ich suche mein Büro und finde nur Fahrstühle die wirklich gefährlich aussehen. (Keine Wände, kein Boden…)

Der Klassiker ist das Auto im Keller.

Ich stehe vor meinem ersten Auto im Keller und frage mich, wie ich es die Kellertreppe runter gebracht habe und wie ich es wieder hoch bekomme…

Wirklich schrecklich sind aber die Träume von meinem Vater.

Die Tür geht auf und ER ist wieder da! Der ganze Käse geht von vorne los. Kein Hinweis auf Krankheit oder Tod… Wen – zum Henker – haben wir da eigentlich beerdigt?

Hört sich ziemlich lapidar an, nicht?!

Ist es jedoch für mich nicht. Nachts weckt mich mein Hund, weil ich schreie, wimmer oder weine.

Der Mops ist inzwischen zu meinem nächtlichen Schutzengel geworden. Er weckt mich aus meinen Träumen, in dem er sich an meine Wange kuschelt und mir das Gesicht leckt.

Besonders blöd ist: Ich träume nach dem wieder einschlafen an der selben Stelle weiter.

Durch diese Träume bin ich am nächsten Tag kein Mensch mehr. Konzentrationsstörungen, Tagesmüdigkeit, Gereiztheit sind die Folge.

Wenn man dem Arzt dann von den Träumen erzählt bekommt man richtig lustige Antworten.

  • Sie sollten Abends nichts schweres mehr essen.
  • Warum sollte ihr toter Vater denn wieder kommen? Das geht doch gar nicht!
  • Ja, da kann ich Ihnen nicht helfen, hier Tabletten.
  • Sie haben keine Alpträume, sie leiden an nächtlichen Atemaussetzern…

Ohne Worte…

Am Anfang war das Ende…

… das Ende der Freude an meinen Hobbies. Ich hörte auf zu lesen, zu fotografieren, zu bloggen/podcasten, zu musizieren, malen… etc.

Dinge, die ich immer mit Freude gemacht habe (z.B. Garten, Arbeit etc.) fielen mir auf einmal immer schwerer. Ich reagierte in der Folge genervt, war schnell müde, schaffte meine Arbeit nicht mehr.

Des Nachts quälten mich Alpträume so sehr, dass ich es vermied schlafen zu gehen. Es folgten Angst und Panik schließlich sozialer Rückzug.

Den Beginn kann ich ziemlich genau auf den Sommer 2013 legen.

Seither ist viel passiert.

Mein erster Weg führte mich 2015 zum Arzt, ein anderer in die Tagesklinik/Modellambulanz. Über ein Jahr habe ich nach einem Psychotherapieplatz gesucht.

Mit der Krankenkasse führte ich diverse Telefonate.

Schluss und endlich dachte ich, dass ich nun alles beisammen hätte. Endlich einen Therapieplatz und einen vernünftigen Arzt, der mich ernst nimmt…

Pustekuchen!

Ärzte, die einen ernst nehmen scheinen rar zu sein. Inzwischen bin ich außerhalb Berlins in Behandlung. Mal ganz abgesehen davon, dass ich  1,5 – 2 Stunden fahre (pro Strecke 45-60 Minuten ) um einen 5 Minütigen Termin wahrzunehmen, ist das auch nicht das Wahre.

Heute wurde mir geraten, ich soll mir Erbsen in die Hosentasche stecken. (Im Internet taucht es unter Bohnengeschichte auf.) Den Sinn begreife ich ja. Man soll sich an Kleinigkeiten freuen, auch wenn man denkt alles ist doof. Nichts anderes habe ich mit meiner Liste gemacht.

Täglich 2 Stunden spazieren gehen kann ich mit meinem Sportmops wohl abhaken.

Von der Gesprächsgruppe mit Gebet und Gesang halte ich mich aber schön fern. Ich habe kein gutes Verhältnis zu Gott und das wird sich auch nicht ändern.

Nun heißt es wieder von vorne zu beginnen, wenigstens ein Stück weit.

Wünscht mir Glück…

 

Die Liste

In den letzten Wochen hatte ich wieder mehr schlechte Tage als gute. Die Verzweiflung kann schon sehr groß sein. Der Gang zum Arbeitsamt fiel mir enorm schwer. Ich kann es nur schwer akzeptieren, dass ich so krank bin, dass die Krankenkasse die Zahlung eingestellt hat.

72 Wochen sind mal eben so verpufft…

An manchen Tagen habe ich schon arg gehadert und habe es kaum geschafft die Tage zu überstehen. Mehr als einmal habe ich in diesen Tagen an Selbstmord gedacht, aber ich hab mich wieder berappelt. Anhand einer Liste konnte ich mir veranschaulichen, was ich Schönes im Leben habe. Solange auch nur ein Punkt auf der Liste steht wird es irgendwie weiter gehen.

Kneifen gilt nicht.

Wenn man sich mal die ganzen Kleinigkeiten ansieht, die das Leben lebenswert machen, dann ist alles nicht mehr ganz so schlimm. Auch wenn es nur so popelige Dinge sind wie

Sonne im Gesicht und Wind in den Haaren

manchmal sind es eben die Kleinigkeiten.

Auf meiner Liste stehen ganz oben Familie und Freunde. Das ist auch gut so und es hilft mir unheimlich bei der Anstrengung am Leben zu bleiben.

Ich gebe nicht auf! Ich kämpfe!

Einen Schritt nach dem anderen, ein Tag nach dem anderen, hoffen, dass es irgendwann wieder besser wird.

Mir geht der Hut hoch!

Mir wird schlecht, wenn ich von Hass und Intoleranz sehen, hören oder lesen muss und es ist wirklich eklig, was auf so manchem YouTube-Kanal verzapft wird.

Da setzt sich dieses grüne Bürschchen hin und hetzt gegen Menschen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung.

Hallo!? Geht’s noch!? Was nehmt Ihr Euch eigentlich raus, Euch überhaupt darüber Gedanken zu machen?

Es geht Euch schlicht und ergreifend gar nichts an!

Ganz davon abgesehen ist es völlig egal, ob jemand homo-, hetero- oder bisexuell ist.

Es ist egal, ob sie oder er schwarz, weiß, braun, rot, gelb, lila oder karriert ist.

Egal, ob Eingeborener oder Zugezogener.

Es ist ebenso egal, welcher Religion er oder sie angehört, ob die Augenbrauen abrasiert sind, von Kopf bis Zeh Tatoos hat oder beim kacken gepfiffen wird.

Es ist egal, ob der Mensch dick, dünn, groß, klein ist oder mit beiden Ohren schielt.

Wichtig ist einzig und allein der Mensch dahinter, nicht mehr und nicht weniger. Wer sich die Zeit nimmt den Menschen kennen zu lernen, wird schnell erkennen, dass solche Äußerlichkeiten total nebensächlich sind.

Nehmt einfach mal das Brett vorm Kopf weg und traut euch mal über euren Tellerrand zu schauen. Ihr werdet staunen, was ihr sehen werdet, wie tolle Menschen ihr kennen lernen könnt.

Links schenke ich mir heute. Ich möchte nämlich nicht, dass sich jemand gebumfiedelt fühlt und ganz ehrlich, den Scheiß muss man sich nicht rein ziehen.

Seid nett zueinander.

Eure

Clabie