Die Seele im Gips

 

Wir leben in einem viel gepriesenen Sozialstaat. Man darf allerdings nicht psychisch erkranken. Wenn man sich denn erst einmal durch gerungen hat um einem Arzt sein Innerstes zu zeigen, wird man belächelt, runter gemacht, gedemütigt. Wenn man bei der Krankenkasse verzweifelt um Hilfe bettelt wird einem mitgeteilt, dass man gefälligst flexibler sein soll.

Man wird als Kranker ausgelacht, abgestempelt und nach Äußerlichkeiten beurteilt, ohne sich Gedanken über den Menschen zu machen, der da vor einem sitzt.

Ich habe über ein Jahr gebraucht, bis ich eine vernünftige Psychotherapeutin gefunden habe. Dabei hat mich niemand unterstützt. Nicht die Krankenkasse, nicht die Ärzte…

Es ist so schrecklich sich mit über 40 auf einmal total handlungsunfähig zu fühlen. Nicht körperlich, sondern seelisch. Auf einmal ist man in seiner Seele gefangen, kämpft gegen die Dämonen im Innern und muss auch noch außen für sein Recht kämpfen. Für sein Recht auf Therapie, auf vernünftige Behandlung, auf das Recht gesund zu werden.

Seelische Erkrankungen sind nun mal kein Beinbruch, den jeder sehen kann. Um seelische Erkrankungen zu sehen muss man sich die Mühe machen den Menschen kennen zu lernen. Leider nimmt sich kaum noch Jemand Zeit dafür. Der Seele kann man nun mal keinen Gips anlegen. Die Wunden der Seele tragen wir nicht offen mit uns herum und sie brauchen verdammt lange zum heilen und können dann jederzeit wieder aufbrechen. Da stehen wir nun wieder mit unseren offenen Wunden.

Fangen wir von vorne an oder machen wir dem ein Ende?

Jeder Tag bringt eine neue Entscheidung. Immer von Tag, zu Tag, zu Tag…

Ein Gedanke zu „Die Seele im Gips“

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