Das geborene Opfer oder die Reise in die Vergangenheit

Wie das geborene Opfer habe ich mich heute Früh beim einkaufen gefühlt. Es begann mit 3 randalierenden jungen Männern im örtlichen Verbrauchermarkt. Gehört hatte ich sie hinter mir bereits. Auf einmal flog etwas an meinem rechten Arm vorbei und streifte mich dabei. Ich drehte mich um und rief was das soll. Tja, böser Fehler. Ich wurde die drei auf den nächsten Metern durch den Laden erstmal nicht mehr los. Sie randalierten munter weiter und pöbelten mich übel an. Weit und breit kein anderer Kunde oder Angestellter zu sehen. So ein Käse! Jetzt nur nicht anmerken lassen, dass ich angst habe. Weiter einkaufen, die Idioten ignorieren. Selbstbewusstsein ausstrahlen und nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Strategie ging auf. Sie ließen von mir ab und machten sich, weiterhin Waren durch die Gegend pfeffernd, mit ihrer Pulle Vodka und nem Vorrat Koffeinbrause auf den Weg zur Kasse. Puh… Glück gehabt!

Das nächste Erlebnis hatte ich dann an der Kasse eben dieses Verbrauchermarktes. Hinter mir stand ein Penner (kein anderer Begriff trifft es so gut!). Aus allen Knopplöchern stinkend, rotes aufgedunsenes Gesicht, war er der Nächste, der meinte mich anmachen zu müssen. Schon wieder hagelte es Beleidigungen. Diesmal wehrte ich mich verbal nach Kräften. Ich war ja nicht allein! Und trotzdem war ich dem nicht gewachsen. Der Typ hatte auch nix besseres zu tun, als mir zum Auto zu folgen. Na toll, hätteste mal lieber nix gesagt. Also wieder die bewährte Strategie des Ignorierens. Schnell einpacken, dabei so selbstbewusst wie möglich aussehen. Dann schnell ins Auto und ab nach Hause.

Kaum zu Hause angekommen liefen die Tränen. WARUM IMMER ICH?!

Warum wird eigentlich immer auf mir rumgehackt? Ich versteh es nicht. Es war schon in der Schulzeit so. In der Grundschule (zwischen der 1. und 6. Klasse) war ich das Opfer der Klasse. Immer für Beleidigungen gut, auch für Kniffe, Schläge, gestellte Beine, Lacher und Schubser. Das passende Opfer für Klassenkameraden und Lehrer. Schon damals konnte ich machen was ich wollte, ich wurde die Rolle des Opfers nicht los. Weder wehren, noch ignorieren brachte den gewünschten Erfolg. Besser wurde es erst in der Oberschule. Nicht zuletzt, weil ich den dummen Chaoten der Vergangenheit endlich den Rücken kehren konnte.

Auf einmal fühlt man sich mit 39 nochmal wie 10… hilflos, verletzlich, allein. Ich hasse dieses Gefühl, und doch kann ich es nicht abstellen.

Vielleicht ist es ja ein guter Schritt endlich darüber zu reden, euch daran teilhaben zu lassen. Der erste Schritt der Welt zu sagen:

Ich bin kein Opfer!

Grrrrrrrr….