Und wo ist die Kamera?

Heute spielt die S-Bahngeschichte mal im Bus, da ich ja im Moment eher umständlich mit Bus, U-Bahn und Straßenbahn unterwegs bin. Ich habs ja schon hier geschrieben.

Manchmal erlebt man Szenen, die triefen nur so vor Klischee, dass sie glatt ausgedacht sein müssen.

Neulich im Bus spielte sich, direkt vor meiner Nase, folgendes ab:

Der Bus ist voll. Alle Sitzplätze besetzt. Viele Fahrgäste stehen im Gang. Feierabend gegen 18 Uhr, jeder will so schnell wie möglich nach Hause.

Der M45ger fährt zwischen Spandau und Zoologischer Garten. In der hinteren Tür steht eine junge Frau mit Babybauch. Sie unterhält sich mit einem jungen Mann.

Kurz vor der Haltestelle Richard-Wagner-Platz steht eine ältere Frau von ihrem Sitzplatz auf. Sie drängelt sich durch die anderen stehenden Passagiere zur Tür.

Sie ruft genervt: „Kann ick mal?“ Und schubst den Freund der Dickbauchigen etwas zur Seite.

Der Bus hält an der Ampel. Die junge Frau mustert die alte Frau. Ihr Blick, bleibt schließlich am Gesicht hängen.

Die Antwort kommt schlagfertig: „Dit heißt Bitte!“

Der Bus fährt an die Haltestelle, die Tür geht auf.

Die junge Frau legt nochmal nach: „Und ob se können weeß ick nich, aber se dürfen jerne.“

Die junge Frau steigt kurz aus, lässt die Ältere, die sich inzwischen was in den Bart mummelt, durch und steigt wieder ein.

Ihr Freund macht sie auf den freien Sitzplatz aufmerksam. Doch sie schüttelt den Kopf und bleibt noch bis zur Endhaltestelle Zoo stehen.

Ich drehe mich vorsichtig nach der versteckten Kamera um. Nix zu sehen, dann wirds wohl doch echt gewesen sein. Ich zücke das Handy und mache mir eine Notiz.