20 Jahre Mauerfall

Dieses Jahr jährt sich der Tag des Mauerfalls das 20. Mal. Wie war das damals eigentlich?

Die Straße in der ich wohnte ist heute eine der meist befahrenen Ost-West-Achsen der Stadt. Bis zum 09. November 1989 war sie auf der Westseite eine Sackgasse. Richtung Ost-Berlin gabs nen kleinen Grenzübergang für die „Ost-Rentner“, ansonsten war hier die Welt mit Brettern vernagelt.

Als ich das Fahrradfahren lernte, ging das ohne größere Probleme mitten auf der Straße. Na gut, es war eine Seitenstraße, aber auch dies wäre heutzutage nicht mehr möglich.

Am 09. November 1989 war ich 16 Jahre alt. Der Tag danach  war ein normaler Schultag.

Schon als mich meine Mutter am 10. November morgens weckte, konnte ich es nicht wirklich glauben. Sie erzählte mir nämlich, dass die Grenzen auf sind.

Als ich mich dann mit einer Freundin unten an der Ecke treffen wollte, um gemeinsam zur Schule zu gehen, war dies nicht möglich. Wir hatten gar nicht die Chance uns zu finden, denn es wimmelte auf der Straße vor Menschen. Die Straße in Richtung West war voll. Ich bin mir sicher, ich hatte vorher noch nie so viele Menschen gesehen.

Die Luft war geschwängert vom Qualm der Zweitakter. Der Schulweg war der reinste Spießrutenlauf.

In der Schule angekommen war von Unterricht nicht wirklich die Rede. Das aktuelle Tagesgeschehen dominierte den Unterricht, darum machte sich die ganze Klasse dann auf den Weg zum nahe gelegenen Grenzübergang auf um dort die Menschen in den Trabbies und Wartburgs zu begrüßen.

Schüler aus dem Westberliner Stadtteil Wedding bildeten auf der Bösebrücke an der Bornholmer Straße Spalier und bereiteten den Besuchern aus der DDR einen ersten Empfang, 10. November 1989
Schüler aus dem Westberliner Stadtteil Wedding bildeten auf der Bösebrücke an der Bornholmer Straße Spalier und bereiteten den Besuchern aus der DDR einen ersten Empfang, 10. November 1989 Quelle: Wikipedia

Es war aufregend damals vor 20 Jahren. Wir, haben es am eigenen Leib miterlebt, das Stück Geschichte. Mir persönlich wurde ein Stück neue Welt geschenkt, die ich nur durch das DDR-Fernsehen und die Autofahrten über die Transitstrecken kannte. Die Mauer war genauso Teil meines Berlins, wie die Grenzkontrollen auf den Transitstrecken und die Ost-Omas die im Bus immer so fürchterlich gedrängelt haben.

Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass man sich in West-Berlin nicht verlaufen kann, denn man stößt sich immer wieder den Kopf an der Mauer. Auf einmal hatte Berlin von einem Tag auf den anderen ein Umland.

Kurios war die Tatsache, dass wir ziemlich genau ein Jahr vor dem 09. November 1989 für ein Schulprojekt eine Umfrage am Brandenburger Tor gemacht haben. Eine unserer Fragen war: Glauben Sie dass die Grenzen zwischen Ost- und West-Berlin irgendwann wieder geöffnet werden? Leider habe ich davon keine Dokumente mehr.

Ja, so war das damals für mich im November 1989.