Mein Lebensretter

Am 05.12.2015 bin ich im wahrsten Sinn auf den Hund gekommen.

Naja, eigentlich auf den Mops.

Dieses kleine Knautschgesicht hat mich in den schlimmsten Stunden der letzten Monate davon abgehalten mir das Leben zu nehmen.

Auch wenn die Erziehung nicht leicht war, bereue ich keine Minute. Das Tier hat mir meinen Lebenswillen und meinen Lebensmut wieder gegeben.

Schon die Tatsache, dass man unweigerlich mit anderen Menschen ins Gespräch kommt, wirkt einer Depression entgegen. Egal wie schlecht es mir auch ging, der Mops musste vor die Tür. Zunächst alle 2 Stunden, dann in immer längeren Zeitabständen. Inzwischen hält er bereits 8 Stunden aus.

Er weckt mich, wenn ich Alpträume habe. Er bringt mich zum lachen, wenn mir zum heulen ist. Er ist überall mit von der Partie.

Schorsch ist das Beste was mir je passiert ist.

Endlich auf dem Weg der Besserung

Juhuu! Endlich habe ich wieder das Gefühl, dass es mir besser geht. Die neuen Tabletten helfen. Die Suizidgedanken sind weg, die Alpträume haben nachgelassen, nur mit dem ein- und durchschlafen hab ich es im Moment nicht so.

Und weil ich eh nicht schlafen kann, nähe ich was das Zeug hält. In den letzten Tagen sind ein Kirschkernkissen, ein Sonnenhut und ein Langarmshirt (nicht wirklich tragbar) entstanden. Ein Hundebett für Mops Schorsch ist ebenfalls fertig geworden, aber noch verbesserungswürdig. Er findets aber schon toll.

Mops im Böötchen
Das Böötchen ist nach dem Schnittmuster „Böötchen reloaded“ von http://www.mikamako-shop.de entstanden und bestimmt nicht mein letztes.

Für zusätzliche Projekte habe ich auch noch jede Menge Stoff und Schnittmuster. Mal schauen, was als nächstes dran kommt.

Mit großem Interesse verfolge ich die Reise meiner Arbeitskollegin, die sich einfach mal ein Jahr freigenommen hat um mit Mann und Wohnanhänger die Biege zu machen. Falls Ihr auch Interesse habt, findet Ihr sie im Zweizeitblog.

 

 

 

 

Neue Tabletten, neues Glück?

Seit gut 4 Wochen nehme ich nun die neuen Tabletten und ich muss sagen, es geht mir besser. Endlich scheint mal ein Medikament zu wirken. In der Regel setzt die Wirkung nach ca. zwei Wochen ein. Nach 6 Wochen hat man dann die volle Wirkung.

Im Moment ergänze ich die Wirkung noch mit Beruhigungstropfen. Vor allem zur Nacht.

Alpträume habe ich fast gar keine mehr und auch die Selbstmordgedanken haben deutlich nachgelassen.

Ich bin aktiver und blicke etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Bin gespannt wie es weiter geht.

Für Fragen bin ich gern da. Schreibt mir einfach eine Mail oder hinterlasst einen Kommentar.

Auf Entzug

Seit 2010 nehme ich durchgehend Antidepressiva. Im Laufe der Zeit verschlechterte sich meine Erkrankung derart, dass ich immer höhre Dosen bzw. immer andere Antidepressiva benötigte.

Zuletzt nahm ich Venlafaxin in einer täglichen Dosis von 225 mg.

Inzwischen habe ich ein anderes Präparat verschrieben bekommen und mache seit Donnerstag nun einen „kalten“ Entzug. Eigentlich sollten Antidepressiva ausgeschlichen werden. Das heißt, dass die Dosis schrittweise verringert wird, bis man irgendwann bei 0 angekommen ist.

Ich habe die Anweisung bekommen, dass ich das Venlafaxin einfach weg lassen soll und statt dessen das neue Medikament nehmen soll.

Bisher hat das auch bei jedem Medikamentenwechsel so hingehauen, ohne irgendwelche Probleme.

Diesmal leider nicht.

Ich reagiere mit:

  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Übelkeit
  • Schwitzen
  • Frieren
  • Erbrechen
  • Bauchkrämpfe
  • Durchfall
  • Konzentrationsstörungen
  • Müdigkeit
  • Alpträumen
  • Selbstmordgedanken
  • Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen

Ich hoffe ich bin da bald durch…

Update 1: Nach 6 Tagen Entzug habe ich „nur“ noch Schwindel, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe und Durchfall.

Update 2: Nach 11 Tagen hab ich es endlich hinter mir!

Ich kann jedem nur raten von diesem Medikament die Finger zu lassen.

Frag doch einfach…

Wussten am Anfang nur engste Familienmitglieder und Freunde von meiner Erkrankung, wissen es inzwischen alle Menschen, die mir wichtig sind.

Natürlich gehe ich nicht mit meinen Befindlichkeiten hausieren, jedoch soll sich der ein oder andere schon mal gefragt haben, warum ich nicht arbeiten gehe, woher ich die Zeit für einen Hund nehme, warum ich so merkwürdige Sachen twittere, mich zurück ziehe usw.

Mit dem Wissen um meine Erkrankung hört es jedoch noch nicht auf. Die Reaktionen sind teils erschreckend (vor allem für mich), teils rührend, gleichgültig, nervend, geschockt.

Es gibt die Menschen, die die Erkrankung akzeptieren, die unterstützend zur Seite stehen, die jeden Erfolg, jeden Meilenstein feiern und bei jedem Rückschritt anfeuernd zur Seite stehen.

Es gibt die, die total erschüttert sind, die es beängstigend finden von Selbstmordgedanken zu hören oder zu lesen. Die Hilfe bei der Bewältigung der Erkrankung eines Freundes brauchen.

Natürlich gibts auch die, die die Erkrankung einfach vom Tisch wischen. Die jemandem mit Angst vor zu vielen Menschen vorschlagen doch mal wieder mit der U-Bahn zu fahren.

Es gibt die, die dich von oben herab ansehen. Denen „du faule Kuh“ praktisch auf die Stirn geschrieben steht.

Bei anderen bist du der Hamster im Labyrinth. Wie fühlt sich das an, wenn du total freudlos bist?

Allen kann ich aber nur eines ans Herz legen:

Frag mich, wenn du etwas wissen willst.

Es hilft mir über meine Erkrankung zu reden. Es hilft mir wieder ein Gefühl für mein Gefühl zu bekommen.

Ich verspreche, ich werde ehrlich sein. Ich verspreche aber nicht den Holzhammer zu Hause zu lassen.